Piccola e fragile

Manchmal geht es uns allen so. Wir fühlen uns in dieser riesigen, erdrückend großen Welt winzig klein. Was kann ich schon ausrichten? Sieht man mich überhaupt? Habe ich eine Chance im Job mich gegen all die anderen Harvardlinge durchzusetzen? Was mache ich hier überhaupt? Mache ich das Richtige? Sollte ich nicht mehr das oder dies tun? Bin ich ein guter Mensch?

Fragen über Fragen! Und während man so bei seiner Tasse Kaffee sitzt und nachdenkt, wird man immer noch kleiner. Aber all diese kleine Fragen, führen die denn nicht alle zu dieser einen großen? Die Frage, die wir schon lange nicht mehr hören können? Die große Suche nach dem SINN?

Ich bin klein, ich bin wirklich klein. Eigentlich bin ich 1,59 m. Auf meinem Ausweis steht 1,60 m…ich habe halt einen Zentimeter hinzu mogeln können. Zumindest 160 cm wollte ich groß sein. Eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten habe ich…wollte ich nicht. Aber habe ich gemacht, weil ich sonst auch nicht wusste, was ich tun sollte. Nichts tun, das kam nicht in Frage. Außerdem hat man endlich mal sein eigenes Geld bekommen. Während der Ausbildung war ich so manches Mal noch viel kleiner. Vielleicht Hobbit-Größe. Ich hätte locker mit Frodo und Sam durch Mittelerde wandern können und wäre dabei gar nicht aufgefallen. Ab und zu war ich sogar zu meiner neu errungenen Körpergröße müde, ausgelaugt und schleifte mich –  eher in Gollum-Haltung – tagtäglich in die Kanzlei.

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Aber genug von mir. Ihr kennt das alle. Wir rädern in der Maschine der Wirtschaft. Wir kurbeln sie unermüdlich in unseren unsichtbaren Hamster-Rädern an. Unsere Eltern und deren Eltern haben fast nichts anderes getan, als ihr Leben lang nur zu arbeiten. Ein Haus wollte man sich leisten können. Mit Garten und viel Platz für die Kinder und den Hund. Die Kinder sollten es schließlich einmal besser haben. Wer kennt das nicht von euch? „Mama, soll ich dir helfen?“ – „Nein Kind, ich mach das schon. Geh raus zum Spielen.“ Wir sind diese eine Generation, deren Eltern wollten, dass wir es besser haben. Wir sollten Spielen und Kind sein dürfen, anstatt zu Hause zu „arbeiten“.

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Haben wir es besser? Ich weiß es nicht. Fakt ist, die Welt um uns herum hat sich drastisch verändert. Das wohlige Nest das unsere Eltern sowohl materialistisch, als auch psychisch für uns errichtet haben, wird von Außen angegriffen. Die Häuser, die unsere Eltern für uns errichtet haben, sind für uns von nicht sehr großem Nutzen. Man geht heute da hin, wo es Arbeit gibt. Auf dem Dorf im Haus der Eltern sitzen? Fast unmöglich. Kann man zwar, man findet sicher auch dort Arbeit…aber hätten wir dafür die sicheren Stellen als Angestellten in den Kanzleien und Arztpraxen verlassen müssen? Für ein Studium – irgendwo?

Nein, mit Sicherheit nicht. Es ist ja nicht so, dass wir es nicht schätzen, was unsere Eltern für uns geleistet haben. Es ist nur so, dass es uns leider nahezu nichts bringt. Wir müssen das Vakuum der Geborgenheit verlassen…zumindest, wenn wir es selbst auch zu etwas bringen wollen. Wir haben eben auch den Ansporn eigenes zu leisten und dabei steht uns ein gemachtes Nest und das Geld unserer Eltern eigentlich – so blöd es klingt – oft im Weg.

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Außerdem müssen wir das tun! Wir bleiben sonst auf der Strecke zwischen Hausmütterchen und Bürojob liegen. Ist es denn verwerflich, dass ich mehr möchte? Ganz sicher stehe ich nicht hinter den eisigen Karriere-Frauen, die ihre Familie ständig vernachlässigen. Ich möchte Kinder, ich möchte vielleicht auch einen Hund. Und ich möchte meinem Mann auch ab und zu was leckeres kochen. Ich möchte aber nicht nur Hausfrau sein. Ich finde die altmodische Rollenverteilung schon auch schön und spannend. Aber ich habe studiert, um frei zu sein.

Frei, beruflich das zu machen, was mir Spaß macht…für mich ist das die Musik, die Kunst, und dies und das. Machen wir einen kleinen Abstecher zu „was wäre wenn“. Was wäre zum Beispiel, wenn ich meinen unglaublich tollen Mann nicht hätte.

Ich kann euch sagen, was dann wäre. Ich würde trotzdem nicht zu Hause in der Einlieger-Wohnung meiner Eltern leben. Ich würde mir ein 20-30 qm „großes“ Appartement in München mieten und schauen, dass ich mit allem was ich gerne mache…Theater spielen, Musizieren, Schreiben, Unterrichten…jeden verdammten Monat irgendwie über die Runden komme.

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Viel lieber würde ich das machen, als mit faulem – aber gesichertem Arsch, zu Hause auf dem Dorf rum zu sitzen. So bin ich halt. Und ich glaube, so geht es vielen. Viele gehen für so ein Leben ins Ausland. Weil es dort natürlich einfacher ist so ein Leben zu führen. Es kostet weniger und man kann fast alle Jobs machen. In China reicht es schon, dass du Muttersprachler bist – selbst wenn du noch nie zuvor Kinder unterrichtet hast, stellen sie dich als Deutschlehrer ein.

Auch als Musiker bekommst du hier Jobs ohne Ende. Erstens gibt es in touristischeren Gegenden oder Großstädten noch mehr Live-Musik und zweitens freuen die sich auch, wenn da mal eine blonde Weiße sitzt, anstatt nur immer Local People.

Ich habe mich dafür entschieden zu fliegen. Ich habe mich vielleicht für ein anstrengenderes, aber dafür auch spannenderes Leben entschieden – denn genau das bin ich. Ich weiß noch genau, dass ich oft genug zu meiner Mama ging und gejammert hab, dass mir so langweilig sei. Sie schmunzelte nur und sagte…“schon wieder?“. Ja, schon wieder Mama, das wird wohl immer so sein. Das ist der Grund, warum ich selten still sitzen kann. Warum es mich immer noch umtreibt – auch wenn ich verheiratet bin.

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Und ganz ehrlich – ich konnte auch nur so jemanden wie Stefan heiraten. Ich wollte niemals heiraten…das passte sowas von nicht in meinen Horizont. Das war quasi eine ganz andere Galaxie. Oder ich war woanders. Aber ich habe gemerkt, da draußen, da gibt es Leute die so ticken wie ich. Und Stefan war definitiv einer davon. Nun gehen wir zusammen einen etwas unkonventionelleren Weg. Gleichzeitig ist Stefan auch mein Sprungtuch, wenn ich tatsächlich mal falle – das ist mir bewusst. Aber er genießt es auch eine etwas andere Frau als Frau zu haben und ist ebenfalls sehr glücklich. Und ich hoffe, dass wir noch ganz viele Jahre zusammen unseren Horizont erweitern….denn das ist der Sinn meines – Pardon – unseres Lebens!

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↬𝓢𝓿𝒲↫

Anmerkung: 
Diese wundervollen Fotos sind bei meinem Rooftop-Shooting mit Femi entstanden. Er ist nicht nur ein großartiger Musiker, sondern auch ein toller Fotograf. Vielen Dank, dass du soviel Geduld für ein Nicht-Model aufgebracht hast, mit mir die Luftballons mit Helium gefüllt und mir ein Luftpolsterfolien-Top kreiert hast. 
These wonderful Pics were taken at the Rooftop-Shooting with Femi. He isn’t just an incredible Musician, but also a great Photographer. Much Thanks for helping me to pose as a Non-Model and for the time to fill the Balloons and creating me a Bubble-Wrap-Top.
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